Segelkurs in Ratzeburg
|
||||||||
|
„Herr
Golsch, müssen wir da auch noch rein? Können wir nicht lieber zu Macdo?“
Wenn einem Lehrer diese Frage vormittags vor dem Deutschen Museum in
München, das er für eines der interessantesten Museen Deutschlands hält,
gestellt wird, kommt er ins Grübeln, glauben Sie mir das. Und wenn dieser Lehrer nach ungefähr einer halben Stunde zufällig durch die Vorhalle kommt und dort sitzen seine Schüler herum, langweilen sich offensichtlich und behaupten, sie hätten alles gesehen und möchten nun endlich hinaus aus diesem langweiligen Museum, dann muss er sich sehr zusammennehmen, um nicht die Fassung zu verlieren. Ich verlor sie auf der Stelle und wurde laut, sehr laut! Dieses Erlebnis brachte das Fass endgültig zum Überlaufen, es hatte ja auf vielen vorangegangenen Klassenfahrten ähnliche Situationen gegeben. Klassenfahrten mit Besichtigungsprogramm? Für mich nicht mehr, das stand fest. Aber – was bot sich als Alternative an? Da hatte der Kollege Vogel, ein bis heute unverdrossener München-Fahrer, einen Vorschlag: Er wisse von einer Segelschule am Ratzeburger See, die Adresse könne er mir besorgen, das sei vielleicht eine Möglichkeit. Dafür bin ich ihm bis heute dankbar! Meine nächste Klassenfahrt mit meiner 8.Klasse und dem Kollegen Exner als Begleitung führte uns also an den Ratzeburger See. Es war eine schöne Klassenfahrt!
In der Zwischenzeit waren wir mehrere Male dort, denn auch andere Kolleginnen und Kollegen haben diese „wassersportliche“ Alternative schon genutzt. Die Fahrt nach Ratzeburg ist nicht sehr lang, ich habe bisher immer die Zugfahrt vorgezogen, weil sie kostengünstig ist. In Ratzeburg angekommen, wird das Gepäck mit einem Wagen von einem Mitarbeiter des CVJM-Hauses abgeholt und die Klasse macht sich zu Fuß auf den etwa 20-minütigen Weg. Nach einer kurzen Einweisung in die Gepflogenheiten des Hauses und nachdem die Zimmer bezogen worden sind, beginnt schon am frühen Nachmittag der Segellehrgang. Er wird von ehrenamtlichen(!) Segellehrern durchgeführt. Dabei werden die Schüler der Klasse in „Bootsbesatzungen“ aufgeteilt. Jeweils drei Schülerinnen bzw. Schüler bilden eine Crew und lernen, wie man eine Jolle segelklar macht und segelt. Die Rollenverteilung an Bord wird öfter gewechselt, d.h. jeder ist mal „Skipper“ oder „Vorschoter“, so dass jeder in der Lage ist das Boot zu segeln. Das bekommt sogar ein Lehrer lautstark zu hören, wenn er seine Schwimmweste vergessen hat. Verantwortlich für die Sicherheit beim Segellehrgang sind nämlich die Segellehrer und die achten streng darauf. Der Segellehrgang bestimmt den Tagesablauf: Nach dem Frühstück wird bis mittags gesegelt; nach dem Mittagessen gibt es eine Mittagspause, dann wird wieder gesegelt. |
Gegen 16 Uhr werden die Boote wieder am Steg festgemacht, die Segel werden eingeholt - man beachte das Bild oben - und verstaut. Das „Rein-Schiff-Machen“ ist selbstverständlich.
Nach dem Abendessen ist Freizeit. Die meisten Schüler und Lehrer gehen in die Stadt zur Eisdiele, in der es leckeres Eis gibt. An einem Abend wird vor dem Bootshaus gegrillt, das ist bei allen Teilnehmern sehr beliebt. Ab 22 Uhr ist Ruhe im CVJM-Haus. Das ist in der Hausordnung so festgelegt und daran haben wir uns als Gäste zu halten. Aus diesem Grund bleiben alle Geräte, die laute Musik machen können, zu Hause und werden von vornherein gar nicht mitgenommen, jedenfalls ist das bei mir so. Das erspart viel Ärger, wie ich aus Erfahrung weiß. Bei unserem ersten Aufenthalt mussten wir diese Erfahrung erst machen. Am Ende des Lehrganges können die Schülerinnen und Schüler ein Boot segelklar machen, es in den Wind bringen und auf dem Ratzeburger See einen kleinen, ausgetonnten Dreieckskurs segeln. Ein Segelschein ist allerdings in der kurzen Zeit nicht zu erwerben, dazu müssten wir ein paar Tage länger bleiben. Aber es gibt eine Bestätigung, dass man an diesem Grundlehrgang teilgenommen hat. Was sollte noch erwähnt werden? Wenn Flaute ist, kann nicht gesegelt werden, das ist klar! Die Segelschule verfügt über einige Kanadier, dann wird gepaddelt. Wenn’s zu sehr weht, kann aus Sicherheitsgründen weder gesegelt noch gepaddelt werden und man muss sich Alternativen überlegen. Aber wir gehen davon aus, dass es so wird wie auf dem Bild unten. Ich freue mich schon auf das nächste Jahr! In diesem Sinne: Mast- und Schotbruch und immer eine Handvoll Wasser unter dem Kiel!
Uwe Golsch |
|||||||
|
|
||||||||