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Werben für eine fundierte
schulische und berufliche Ausbildung: HSV-Spieler Fotos: Beneke
LANDKREIS. Sport und Beruf – zwei Welten mit vielen Parallelen: Diese Botschaft bringen der HSV-Nachwuchsprofi Bennet Wittig und Coach Jürgen Hinrichs den Neuntklässlern der Realschule Camper Höhe bei einer Veranstaltung auf Initiative des Unternehmens NDB Technische Systeme näher. Bennet Wittig (16) kommt aus Stade und ist Schüler am Gymnasium Athenaeum. Vom VfL Güldenstern Stade wechselte er als U15-Spieler zum HSV. Ein Probetraining gab den Ausschlag. „Sie wollten mich haben“, erinnert er sich. Sein Ziel ist klar: „Ich will Profi werden.“ Der Campus in Hamburg-Stellingen, die Kaderschmiede des HSV, betreut 120 Nachwuchsspieler mit großen Ambitionen. „Nicht jeder von ihnen kann Profi werden“, betont Karrierebegleiter Joachim Ranau. Seine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass die Nachwuchskicker sich auch um ihre schulische und berufliche Bildung kümmern. Dazu gebe es Nachhilfe-Angebote und die Möglichkeit, Praktika bei Partnerunternehmen zu absolvieren. Das Coach-Ehepaar Jürgen und Monika Hinrichs führt als Moderatoren-Duo durch die Veranstaltung. Fast alle Neuntklässler haben schon einmal Bewerbungen geschrieben, erfahren sie auf Nachfrage. Viele wissen schon, welchen Beruf sie erlernen möchten. Das Spektrum ist breit gefächert: vom Verfahrensmechaniker zum Chemielaboranten, vom Pferdewirt zum Erzieher. Häufig sind es Angehörige, die in diesen Berufen arbeiten, erzählen die Jugendlichen. Nur wenige geben an, sich nach einem Praktikum für ein bestimmtes Berufsbild entschieden zu haben. „Individualität ist heute mehr denn je gefordert“, sagt Monika Hinrichs. „Es gibt kein Patentrezept.“ Die Schüler sollten darauf achten, einen positiven ersten Eindruck zu hinterlassen: „Ihr erhaltet keine zweite Chance für den ersten Eindruck.“ Ein fokussierter Blick, ein freundliches Lächeln, ein fester Händedruck – das helfe, um beim Gegenüber zu punkten. Kleidung, Gestik und Mimik seien weitaus entscheidender als die fachliche Qualifikation. Ein selbstsicheres Auftreten sei wichtig. Das werde den Jugendlichen auch am HSV-Campus vermittelt, bestätigt Joachim Ranau. Dort zähle etwa Sprachtraining zu den Angeboten. Den Unterrichtsstoff, den die Jugendlichen in der Schule verpassen, weil sie zum Training fahren, müssten sie später wieder aufholen. Entsprechend lang seien die Tage.
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Bennet Wittig berichtet von vier
Trainingseinheiten in der Woche. An solchen Tagen ist er von
6.30 bis 20 Uhr unterwegs. Zu 36 Stunden Schule kommen 35
Stunden Fußball. Am trainingsfreien Mittwoch lerne er, auch an
spielfreien Sonntagen kümmere er sich um seine Schularbeiten. Da
bleibe wenig Zeit für Freunde oder andere Hobbys. Mit dem
Wechsel zum HSV habe der 16-Jährige eine Entscheidung fürs Leben
getroffen – mit harten Konsequenzen, sagt Jürgen Hinrichs. Seine
klare Botschaft an die Schüler: „Es ist wichtig, solche
Entscheidungen zu treffen.“ Sport und Beruf ¬– das seien zwei
Spielfelder mit den gleichen Werten, unterstreicht der
Moderator. Um Erfolg zu haben, sei Kritikfähigkeit gefragt: „Der Trainer sagt dir jeden Tag, was du besser machen musst.“ Das helfe, Potenziale zu entdecken und zu heben. Die eigenen Stärken und Schwächen zu kennen und daran zu arbeiten, werde im Sport genauso wie im Beruf gefordert. Ähnlich verhalte es sich mit Ratschlägen vom Chef. Ebenso wichtig sei es, „auf dem Boden zu bleiben“. Bescheidenheit zahle sich langfristig aus. Teamgeist an den Tag zu legen, verstehe sich von selbst. Ob im Klassenverband, in der Fußballmannschaft oder im Kollegenkreis – nur gemeinsam könnten die Ziele erreicht werden. Unabdingbar sei Leistungsbereitschaft: „Die Motivation muss von dir selbst kommen.“ Besonderen Erfolg werde derjenige einfahren, „der aus der Trägheit der Masse herausgeht“.
Das Unternehmen NDB engagiert sich seit Jahren in der Berufsorientierung. Zusammen mit der Realschule Camper Höhe organisieren Geschäftsführer Matthias Geier und Ausbilder Aldo Sahlke eine Messe. Sie laden Schüler zu Vorträgen mit Motivationscoach Paul Reinhold Linn ins Stadeum ein. Zum zweiten Mal fand eine Veranstaltung mit einem HSV-Nachwuchsspieler unter dem Motto „Leidenschaft ist dein bestes Werkzeug“ statt. „Das macht das alles ein bisschen greifbarer“, sagt Matthias Geier. „Das Handwerk hat nach wie vor ein Imageproblem“, weiß der Firmenchef. Viele Jugendliche hätten eine Ausbildung im Handwerk gar nicht auf dem Schirm. Dabei gebe es hier sichere Jobs mit vernünftigen Gehältern, die nicht durch Technik wegrationalisiert werden. Mit den Aktionen zur Berufsorientierung wolle das Familienunternehmen den Lehrern unter die Arme greifen. Er wisse, dass es den Jugendlichen schwerfalle, ihre Talente zu entdecken. Die Berufswelt sei scheinbar weit weg. Die Ratschläge kämen aus dem Mund eines Fußballspielers eher an, als wenn Eltern oder Lehrer sie anbringen. „Es wird Zeit, dass ihr euch mit diesen Themen auseinandersetzt“, sagt Matthias Geier in Richtung der Schüler. Er bietet den Neuntklässlern an, dass sie sich um Praktika in der Unternehmensgruppe bewerben können. Die NDB-Unternehmensgruppe beschäftigt bundesweit rund 500
Mitarbeiter an vier Standorten. Ausgebildet werden angehende
Elektroniker, Technische Systemplaner, Holz- und Bautenschützer,
Maurer, Trockenbaumonteure, Anlagenmechaniker (Sanitär, Heizung,
Klima), Kaufleute für Büromanagement und Industriekaufleute. |
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